AKW Cattenom

Das Atomkraftwerk Cattenom steht nahe dem gleichnamigen Ort Cattenom/Mosel in der französischen Region Lothringen und ist nur 12km von der deutschen und 9km von der Luxemburger Grenze entfernt. Betreiber ist die französische Elektrizitätsgesellschaft EDF. Die Bruttoleistung des AKW Cattenom, welches das drittgrößte Frankreichs ist, liegt bei 5448MW. Durchschnittlich werden pro Jahr 35.200 GWh ins Netz eingespeist. Am Atomkomplex Cattenom befinden sich vier Reaktoren.

Grafik Quelle: https://www.mitwelt.org/atomkraftwerk-kernkraftwerk-cattenom.html

Produktionseinheit 1 ging am 13.11.1986 ans Netz – obwohl sich am 26. April 1986 die nukleare Katastrophe im AKW Tschernobyl ereignete. Seit dem 13.11.2016 befindet sich Einheit 1 des AKW Cattenom insgesamt 30 Jahre in Betrieb und erlangt 2026 insgesamt 40 Jahre Betriebszeit. Für Einheit 1 wurde die *Betriebsgenehmigung am 25. Okt. 2016 für weitere 10 Jahre (bis 2026) erteilt.

* Alle 10 Jahre findet eine sogenannte 10-Jahresinspektion statt (auch als „10 Jahres Besuch“ angeführt) bei der laut EDF Betreiber zahlreiche Kontroll- und Wartungsarbeiten sowie aufsichtsrechtliche Überprüfungen durchgeführt werden. Danach führt die franz. Atomaufsichtsbehörde (ASN) die Sicherheitsprüfung durch und erteilt die Betriebsgenehmigung (manchmal auch mit gewissen Auflagen) für weitere 10 Jahre.

Produktionseinheit 2 ging am 17.09.1987 ans Netz. Seit dem 17.09.2017 befindet sich Produktionseinheit 2 des AKW Cattenom insgesamt 30 Jahre in Betrieb und erlangt 2027 insgesamt 40 Jahre Betriebszeit. Für Einheit 2 wurde die *Betriebsgenehmigung im Oktober 2018 für weitere 10 Jahre (bis 2028) erteilt.

Einheit 3 ging am 06.07.1990 ans Netz. Nächste Sicherheitsprüfung 2021, erlangt 2030 insgesamt 40 Jahre Betriebszeit.

Einheit 4 ging am 27.05.1991 ans Netz. Nächste Sicherheitsprüfung 2023, erlangt 2030 insgesamt 40 Jahre Betriebszeit

Jede Einheit hat eine Nettoleistung von 1300MW und eine Bruttoleistung von 1362MW.

Das Saarland liegt genau in Hauptwindrichtung und wäre somit bei einem nuklearen Unfall im AKW Cattenom unmittelbar betroffen. Je nach Windrichtung wären ebenso die Anrainerländer Luxemburg, Belgien, Rheinland-Pfalz, aber auch Frankreich selbst betroffen. Die Ausmaße eines nuklearen Unfalls (die radioaktive Wolke~Fallout) würden ebenso weitere Teile Europas treffen.

Direktoren: Jérôme Le Saint ab Oktober 2020; seit 2017 bereits im AKW Cattenom als Leiter der Produktionsabteilung eingestellt. Stammt ursprünglich aus der Bretagne, war vorher im Automobilbereich beim Unternehmen PSA tätig, wechselte 2008 zum französischen Stromkonzern EdF und war für EdF an mehreren Standorten im Einsatz, unter anderem in der Pariser Zentrale, aber auch im AKW Chooz/Ardennen.

Thierry Rosso ab 2017 bis Oktober 2020; danach zur EdF-Zentrale nach Paris gewechselt. War zuvor Direktor im AKW Fessenheim.

Der französische Ausstieg

Frankreich ist mit seinen 59 Atomreaktoren das Land mit den meisten Meilern der Welt. Vom Ausstieg aus der Atomenergie ist in Frankreich nicht die Rede. Dennoch hat die nukleare Katastrophe auch in Frankreich bewirkt, dass die Proteste gegen die Nutzung der Atomenergie wachsen. Der neue Staatspräsident Francois Hollande hat das Aus für Frankreichs ältestes AKW Fessenheim für 2016 angekündigt. Dieser sollte erst 2017 vom Netz genommen werden. Der Anteil der Atomenergie am französischen Strommix bis 2025 auf 50% gesenkt werden. Die Aktien von EDF, dem halbstaatlichen AKW-Betreiber, haben seit 2007 80% ihres Wertes verloren.

Zugleich soll der EPR Meiler in Flamanville fertig gebaut werden. Andererseits befindet sich die französische Atomindustrie seit langem in der Krise, da die neuen EPR-Reaktoren nicht zum franz. Exportschlager wurden. François Hollande hat sich vorgenommen, Frankreichs Abhängigkeit von der Atomkraft zu verringern, erneuerbare Energien auszubauen, zu fördern.

Störungen, meldepflichtige Ereignisse: Seit der Inbetriebnahme des AKW Cattenom haben sich bereits mehr als über 800 meldepflichtige Ereignisse ereignet.

Hiervon die wichtigsten seit 2002:

17.02.2002: in Block 1 öffnete sich unvorhergesehen ein Ventil in einer Anschlussleitung am Reaktorkühlkreislauf. Laut ASN (französische Atomaufsichtsbehörde) hat es eine „erhebliche Freisetzung“ von leicht kontaminiertem Primärkühlwasser ins Containment gegeben. Um das Ventil zu schließen, musste sich ein Team in Schutzkleidung ins Containment begeben (Einstufung INES 1).

16.05.2004: Block 2 musste heruntergefahren werden, weil es in einem Kabelraum zu einem Brand kam. Die herbeigerufene Feuerwehr konnte erst nach 2,5 Stunden den Brand löschen.

12/2004_ Über 30 Schläuche von Feuerlöschern der Anlage wurden angeritzt. Die zuständige Gendarmerie in Thionville nahm Ermittlungen wegen Sabotage auf.

15.03.2005 Acht Arbeiter werden bei Wartungsarbeiten radioaktiv verstrahlt.

10/2005: Ausfall der Pumpen beim Wiederhochfahren

08/2007: Brand im Gebäude einer Abwasseranlage

01.11.2007: Grenzwertüberschreitung von Eisengrenzwert im Abwasser des AKW in der Mosel.

07.11.2007: Grenzwertüberschreitung von Zink in der Mosel.

10.03.2008: Überschreitung der zulässigen Höchsttemperatur unter dem Reaktorbehälter

12.03.2008; Mitarbeiter verstrahlt, Ursache unbekannt

20.04.2008: Lüftung fiel während Wartungsarbeiten aus.

23.10.2008: Während des BrennelementeAustauschs wird in der Strom- und Telefonkabeltrasse ein Leck entdeckt.

2009 Insgesamt 36 meldepflichtige Ereignisse der Stufe INES 0 und neun Ereignisse der Stufe INES 1.

Bis Juni 2010: 16 meldepflichtige Ereignisse der Stufe INES 0 und zwei meldepflichtige Ereignisse der Stufe INES 1.

18.01.2012; Rein zufällig wurde nach 26 Jahren Laufzeit entdeckt, dass seit dem Bau der Anlagen ein wichtiges Bauteil fehlte, dass bei einem Störfall das Auslaufen der Kühlbecken verhindert. Dadurch wurde der Rückfluss in den Kühlleitungen des Lagerbeckens der Brennelemente der Blöcke 2 und 3 nicht verhindert. Das Lagerbecken hätte unkontrolliert leer laufen können. Das notwendige Bauteil wurde daraufhin nachträglich eingebaut; jedoch in verkehrter Richtung. Der ASN fiel bei einer Kontrolle das falsch eingebaute Bauteil auf; daraufhin wurde das Bauteil richtig eingebaut. Am 06.02.12 wurde dieser Zwischenfall von der ASN von Stufe 1 auf Stufe 2 der INES-Skala höher gestuft.

2012: Insgesamt wurde 39 Mal der Schalter umgelegt (EDF meldet auf ihrer Internetseite nur 16). Die Dunkelziffer der nicht meldepflichtigen Ereignisse liegen mit Sicherheit weitaus höher.

11.01.13: Unzureichend angezogene Schrauben an den Steuerstäben in der Produktionseinheit 2

12.01.2013: Eine Steuerung im Reaktorkern reagierte nicht mehr

01.02.13: Ungeplante Abschaltung des Blocks 2

01.03.2013: EDF teilt mit, dass bei Materialprüfungsarbeiten in Block vier ein Gerüst zusammen brach. Dabei verloren zwei Arbeiter ihr Leben – einer wurde schwer verletzt.

07.05.2013: Nach einer PM des Luxemburger Wort meldet die Betreibergesellschaft EDF im AKW Cattenom INES 1.

10.05.2013: Block 1 außerplanmäßig abgeschaltet

06.06.13: In Block 2 wurden Spuren des chemischen Elements Bor entdeckt. Sie befanden sich auf Rohrleitungen des Kühlsystems.

07.06.13: Weit sichtbarer schwarzer Rauch beängstigt am Freitagnachmittag die Saar/Lor/Lux Großregion. Gegen 13:30 ging ein Transformator, der zur Einheit 1 gehört, in Flammen auf. Nach Angaben der Betreiber ist das Feuer außerhalb des atomaren Bereiches ausgebrochen; Block 1 schaltet sich automatisch ab; Einheit 1 wurde sicherheitshalber evakuiert. Nach Angaben der Betreiber soll es weder für Mensch, noch für Umwelt Konsequenzen gegeben haben.

11.06.13: In Block 3 ist eine erneute Panne, ein Defekt in einem weiteren Transformator aufgetreten, wie die Notdienstverwaltung bei der luxemburgischen Regierung am Dienstagnachmittag mitteilte.

18.06.13: INES 1 im Pannenmeiler Cattenom; Bei Wartungsarbeiten, also rein zufällig, ist ein weiterer technischer Defekt entdeckt worden. Dieses Mal war eine Steuerung für Absperrventile betroffen. Die vier Absperrventile im Reaktorblock Vier befinden sich an Leitungen mit Borsäure.

23. /24.07.2013: Zwischen dem 23. und 24. Juli sind im Atommeiler Cattenom unbemerkt 58’000 Liter Salzsäure ins Erdreich und ins Grundwasser sowie in die Mosel gelangt. Der Zwischenfall wurde nach Angaben der EDF-Betreiber erst am 29. Juli bemerkt. Der EDF-Betreiber gab das Ereignis erst drei Wochen später, am 13. August durch die Internetseite der französischen Nuklearsicherheitsbehörde ASN bekannt. Die Säure entwich beim Umpumpen aus einem Reservoir in eine Kühlanlage des Reaktors 3 und sollte über eine Leitung zu einem anderen Kühlturm umgeleitet werden. Erst nach Tagen war rein zufällig herausgefunden worden, dass das Schlussstück dieser Leitung fehlte.

7. Mai 2014; am Ausgang der Nuklearzone wurden bei Kontrollen Kontaminationsspuren bei zehn Mitarbeitern externer Unternehmen festgestellt – die Mitarbeiter waren auf einer Baustelle im Rahmen der planmäßigen Abschaltung des Reaktorblocks 2 im Einsatz.

19. Dezember 2014; ein Defekt sorgte in der Stromversorgung für einen Störfall. Dieser Fehler wurde bei allen Reaktoren der Cattenombaureihe entdeckt.

28. Mai 2015; blockierte ein Ventil der Sekundärkühlung von Reaktorblock 1 in geöffneter Position und entließ Dampf in die Umwelt. Der Wasserstand in einem angeschlossenen Dampferzeuger fiel; zur Abwendung einer Leistungsexkursion kam es zu einer automatischen Notabschaltung des Reaktorblocks. Laut ASN sei der Dampferzeuger möglicherweise beschädigt worden; bei einer weitergehenden Beschädigung sei das Entweichen von Radioaktivität in die Umwelt möglich, dies sei jedoch nicht eingetreten. Die ASN stufte das Ereignis auf Stufe 1 der INES Skala 1. Experten sprachen von einem „äußerst besorgniserregenden“ Ereignis.

01.02.17; Brand in einem Verwaltungsgebäude des Cattenom Anlage. Der nukleare Teil der Anlage sei laut EDF – Betreiber nicht betroffen gewesen.. Das Feuer sei in einem Container-Gebäude (Leichtbauweise) ausgebrochen.

09. Okt. 17 die Betreiber EDF melden der französischen Atomaufsicht (ASN) einen seriellen Fehler – demnach halten die Kühlsysteme der Anlage einem „Referenzerdbeben“ nicht stand. Das Ereignis wurde auf der INES-Skala als Störfall (Stufe 2) eingeordnet. Von diesem Sicherheitsrisiko sind mehr als 20 Reaktoren in Frankreich Sicherheitsrisiko betroffen.

13. Okt. 2017 Greenpeace Aktivisten drangen ungehindert in die Cattenom Anlage ein – entrollten ein Transparent und zündeten ein Feuerwerk neben einem Abklingbecken für Brennstäbe. Mit dieser Aktion wollten die Aktivisten darauf hinweisen, dass es jederzeit möglich ist, in ein Atomkraftwerk einzudringen und das die Anlagen sowie die Abklingbecken ungenügend gegen Terroristen geschützt sind. Die Betreiber erstattenten Anzeige gegen die Aktivisten; ein Gericht in Thionville hat 8 Greenpeace-Aktivisten Ende Februar 18 zu Haftstrafen zwischen zwei und fünf Monaten verurteilt. Sechs davon wurden zur Bewährung ausgesetzt. Zwei Aktivisten erhielten Gefängnisstrafe. Zusätzlich wurden sie zu einer Strafzahlung von 50.000 Euro verurteilt. Greenpeace selbst muss eine Geldstrafe von 20.000 Euro zahlen; es soll Berufung eingelegt werden.

Erdbeben

Der Atomkomplex Cattenom wird als Sicherheitsrisiko wegen unzureichender Erdbebensicherheit der technischen Installationen angesehen, da sicherheitsrelevante Ventile nach einem Erdbeben nicht mehr funktionieren würden. Laut den Mitteilungen der Betreiber, wird der Atomkomplex als erdbebensicher bis Stärke 5,4 eingestuft. Jedoch gab es in Mitteleuropa bereits stärkere Erdbeben, wie in Roermond 1992 – Stärke 5,9.

EU-Stresstest

Nach dem Supergau in Fukushima wurden alle europäischen AKW einem Stresstest unterzogen. Die Kritik an der Seriosität der Methodik der Stresstests ging lange durch die Presse. Trotz der betreiberfreundlichen Gestaltung und dem Minimalprogramm der Tests, fiel das Ergebnis für Cattenom mit der Note Mangelhaft aus. Zitat eines Auszuges vom Interview aus der Sendung Monitor vom 18.10.12 mit Herrn Dieter Majer, Technischer Leiter der deutschen Atomaufsicht a.D. Herr Dieter Majer. Verglichen möglicherweise mit dem Auto bedeutet das, man hat den Airbag untersucht. „Der Stresstest ist ein Minimalprogramm, das nur einige wenige Prozente der gesamten notwendigen Sicherheitsüberprüfung ausmacht. Nämlich nur Einrichtungen und Maßnahmen, die dann wichtig sind, wenn der Unfall schon passiert ist. Dessen Funktionsweise hat man aber nicht untersucht, ob die Bremsen funktionieren, ob das Licht funktioniert, etc. “Harter Stresstest? Für Majer steht fest: Cattenom müsste sofort abgeschaltet und einer wirklich gründlichen Überprüfung unterzogen werden. Solch eine Überprüfung war bei ihm nicht möglich, sagt er in der Sendung Monitor. Zugesagte Unterlagen seien ihm zumindest vorenthalten worden Dieter Majer „Die ganz wichtigen Unterlagen, Systembeschreibungen, Schaltpläne, Prüfhandbücher, Berechnungen über Einfalls-Wahrscheinlichkeit von Unfällen, all das wurde eben nicht zur Verfügung gestellt für die Anlage.“

Dies, so erzählt er, sei passiert, als er begonnen habe, sich kritisch zu äußern. Der Betreiber bestreitet dies und sagt auch, dass die Anlage genehmigt sei und ständig überprüft würde. Der EU -Stresstest stellte für Cattenom Defizite fest, etwa unzureichende Auslegungen bei schweren Erdbeben und Überflutungen. Die aber seien ja nachrüstbar. Andere schwere Mängel, die Majer festgestellt hat, finden sich erst gar nicht im Stresstestbericht. Dieter Majer: „Da geht es um Korrosion von wichtigen sicherheitstechnischen Einrichtungen, da geht es um fehlende BrandschutzEinrichtungen, da geht es um elektrische Einrichtungen, die in ihrer Ausführung nicht dem entsprechen, was man in einem Atomkraftwerk zu erwarten hat. Also ein weiterer Betrieb von Cattenom halte ich für nicht verantwortbar. Ende Zitatauszug.

Weiterhin wurden: Rostige Leitungen, Schwächen im Kühlkreissystem, unsichere Notfallgeneratoren, Schwächen bei den Kommunikationswegen, der Schutz vor Erbeben und Überschwemmungen müsse weiter erhöht werden, unzureichender Schutz gegen Naturkatastrophen festgestellt.

Wir bemängeln, dass überaus notwendige Nachrüstungen erst bis 2020 oder gar bis 2030 in Erwägung gezogen werden.

Auch bemängeln wir, dass weitere wichtige Kriterien nicht im EU -Stresstest berücksichtigt – weder noch untersucht wurden; die Bausubstanzen der Reaktorengebäude (Containment)-die bereits feine Risse im Stahlbeton – also in der äußeren Reaktorhülle aufweisen. Gefahr Flugzeugabstürze, terroristische Aktivitäten, menschliches Versagen, Fachkompetenz der Leiharbeiter, die globalen Folgen des Klimawandels – u.a. das rapide Abtauen der Gletscher – die den Pegelstand – Hoch – und Niedrigwasser der Mosel beeinflussen. Es gibt zwar einen Stausee (Lac de Pierre-Percée), der 100 km von Cattenom entfernt in den Vogesen liegt und bei Niedrigwasser als Reserve dient, aber auch für die Notkühlung vorgesehen ist. Jedoch braucht das Wasser zwei Tage bis dass es dort ist, wo es im Notfall dringendst gebraucht werden würde – im AKW Cattenom. In Hinsicht der globalen Folgen des Klimawandels haben Forscher bereits prognostiziert, dass durch das Abtauen der Gletscher es zukünftig zu Problemen mit Hochwasser kommt. Nachdem die Gletscher abgetaut sind – könne es danach zu Problemen mit Niedrigwasser in den Flüssen kommen. Des Weiteren leitet das Atomkraftwerk Cattenom mit seinen vier Blöcken deutlich mehr radioaktive Stoffe, u.a. Tritium, in die Mosel, als dies nach Stand von Wissenschaft und Technik erforderlich wäre.
Brennstoff

Unbemerkt der Öffentlichkeit hat EDF im Frühjahr 2009 bei der ASN beantragt, neue Kernbrennstoffe in die Reaktoren „Galice“ einzusetzen. Auch Cattenom soll dazu gehören. Die ASN hat zwischenzeitlich dem Antrag stattgegeben. Anfang Dezember 2009 hat die ASN einige Auflagen für den Betrieb mit dem neuen Nuklearmaterial erteilt. Das derzeitige Verfahren „Gemmes“ fordert, dass die Reaktoren nach 18 Monaten zum Brennelementwechsel abgeschaltet werden. „Galice“ ermöglicht Intervalle bis zu 21 Monaten. Der neuartige Kernbrennstoff „Galice“ zeichnet sich durch einen wesentlich höheren Anteil an spaltbarem Uran-235 aus. Normalerweise werden Brennstäbe eingesetzt, deren Uran-235-Anteil auf 3-4% angereichert ist. Künftig sollen an mindestens acht französischen AKW-Standorten die neuartigen Brennstoffe mit 4,5% Spaltmaterial zum Einsatz kommen. EDF spricht von Kernbrennstoffen „HTC“ (Haut Taux de Combustion = mit hoher Abbrandrate). Auf unsere Anfrage an das Umweltministerium im Saarland wurde uns geantwortet, dass nach Aussage des Kraftwerksbetreibers derzeit weder HTC-Brennelemente eingesetzt, noch ist das Brennelement-Management GALICE eingeführt und nach Aussage des Kraftwerksbetreibers auch keine konkreten Planungen zu dessen Einführung bestehen. Unsere Anfrage an das Umweltministerium im Saarland und dessen Antwort hier: https://www.stoerfall-atomkraft.de/site/anfrage-und-antwort-neue-kernbrennstoffe-im-atomkraftwerk-cattenom/

Katastrophenschutzpläne

Im Falle eines GAU im AKW Cattenom; Rette sich wer kann – Katastrophenschutz, eine wahre Katastrophe. https://www.youtube.com/watch?v=pgK4nz8E2eA

Luxemburg/Remerschen 17 Mai 2014: Notfallpläne für das französische Atomkraftwerk Cattenom sind existent, jedoch im Notfall völlig unzureichend. Das ist das Ergebnis des internationalen Aarhus Runder Tisch Cattenom der Arbeitsgruppe „Notfallvorsorge und Post-Notfall“ von Nuclear Transparency Watch, der am 17. Mai in Remerschen in Luxemburg stattfand. „Radioaktive Strahlung kennt keine Grenzen; weder vor Notfall – noch vor Evakuierungsplänen und selbst bei der besten Nachbesserung nicht. Im Falle eines GAUs; Rette sich wer kann. Der Katastrophenschutz ist mehr als eine wahre Katastrophe. Die Bundesvorgaben sehen eine Evakuierung je nach (1) Windrichtung und gemessener (2) Strahlendosis vor. (1) Wind hat die Eigenschaft, keine Konstanz zu zeigen, sondern kurzfristig Geschwindigkeit und Richtung zu ändern. Dementsprechend müssten die Evakuierungen je nach Windrichtung kurzfristig angepasst werden. Nehmen wir an, dass um 10:00 Windrichtung SSW vorliegt – evakuiert würde in Windrichtung SSW. 10:20 ändert sich die Windrichtung nach W; dementsprechend müsste innerhalb von 20 Minuten in der Windrichtung W evakuiert werden. In diesem kurzem Zeitraum unmöglich. (2) Strahlendosis; ist die Höhe der Strahlendosis festgeschrieben?

Die endgültige Lösung aller Probleme ist; das AKW Cattenom sowie alle Atomkraftwerke auf EU & Nicht EU-Ebene sofort und unumkehrbar abzuschalten“, macht Ute Schlumpberger deutlich (Mitorganisatorin und Mitwirkende des Aarhus Runder Tisch Cattenom, Gründerin, Sprecherin der Bi Cattenom Non Merci. „Mit der Laufzeitverlängerung alternder Atomkraftwerke gehen wir in eine neue Ära des Risikos, mit Cattenom riskieren wir Europa“, sagte Roger Spautz von Greenpeace Luxemburg. Cattenom sollte sofort abgeschalten werden. Patrick Majerus, offizieller Katastrophenschützer von Luxemburg, berichtete über das große Problem verlorener Zeit durch Übersetzung und verschiedene Notfallpläne in den verschiedenen Ländern. Dieter Majer, der ehemalige technische Leiter der deutschen Reaktorsicherheit, kritisierte die Wasserkühlung in Cattenom und das Risiko von Erdbeben und Überschwemmungen.

Die dringendsten Forderungen des Runden Tisches Cattenom: Die nicht öffentlichen Teile der Notfallpläne müssen sofort veröffentlicht werden. Es braucht Runde Tische nach der UN Aarhus-Konvention um die öffentliche Debatte zu beginnen. Inklusion muss in die Notfallpläne einbezogen werden. Englisch muss eine gemeinsame Sprache für die Katastrophenschützer werden. Evakuierungszonen und mögliche betroffene Regionen müssen mit Quellterm – Karten festgestellt werden. Jod – Tabletten müssen in allen Haushalten vorrätig sein. Katastrophenschutz und Krankenhäuser müssen auch im Mittel-und Fernbereich vorbereitet sein. Das Strahlungsniveau für Evakuierung und Langzeit- Rückübersiedlung muss von 100 Millisievert pro Jahr drastisch auf den Normalwert von 1 Millisievert pro Jahr reduziert werden. Wenn das nicht gewährleistet werden kann, so muss sofort abgeschalten werden. Die europäischen Lebensmittelgrenzwerte für Radioaktivität müssen von 600 Bq / Cäsium auf 100 Bq / Cäsium gesenkt werden, das ist der in Japan geltende Grenzwert und war auch der Grenzwert in Europa vor Tschernobyl. Für Kinder muss dieser Wert niedriger sein. Grenzüberschreitende Haftpflicht und volle finanziellen Kompensation für die betroffene Öffentlichkeit ist allein aus ethischen Gründen ein Muss. Die Kosten für die nukleare Notfallvorsorge müssen von den Betreibern getragen werden.

Mangelnde Sicherheitskultur ist ein Risiko und kein Kraftwerk der Welt wird einen Terroranschlag mit einem Airbus A 380 oder mit einer russischen Bunker brechenden Waffe AT 14 widerstehen. Das französische Institut für Strahlenschutz IRSN stellte bereits 2012 fest, dass Cattenom das Atomkraftwerk mit einer der dichtesten Bevölkerung in Frankreich und in Europa ist, eine Evakuierung somit extrem erschwert ist, da vor allem drei Länder direkt von einem Unfall betroffen werden. Innerhalb von 5 km Umkreis leben 75.000 Personen und innerhalb von 30 km 353.000 Personen“. Was, wenn 353.000 Menschen auf der Flucht sind und der akute Notfall Monate und Jahre dauert? Die Schlussfolgerung einer Studie des deutschen Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS): Ein schwerwiegender atomarer Unfall kann weitaus größere Auswirkungen haben als bisher offiziell angenommen. Der Katastrophenschutz ist darauf in keiner Weise vorbereitet.

NTW verfolgt die in Europa stattfindenden Runden Tische Cattenom, Temelin in der Tschechischen Republik am 27. September 2014, in Bulgarien, Slowenien, Frankreich, der Ukraine, Polen und einen weiteren im Herbst in Frankreich. NTW wird die Ergebnisse dieser Runden Tische in einem Bericht an die Europäische Kommission und die Regierungen der EU-Mitgliedstaaten am Ende des Jahres 2014 zur Verfügung stellen. Der nächste Runde Tisch Cattenom von NTW findet im Jahre 2015 statt. http://www.nuclear-transparency-watch.eu/

www.nuclear-transparency-watch.eu/activities/aarhus-round-table-cattenom.html

out-of-age.eu/wp-content/uploads/2014/02/Lifetime-extension-of-ageing-nuclear-power-plants-Entering-a-new-era-of-risk2.pdf > La population autour des sites nucléaires Français: un paramètre déterminant pour la gestion de crise et l’analyse économique des accidents Nucléaires. A. Pascal; IRSN, 2012 https://www.radioprotection.org/articles/radiopro/pdf/2012/01/radiopro110041.pdf

> Aarhus Convention – Protecting your environment: The power is in your hands http://www.unece.org/env/pp/publications/the_power_is_in_your_hands.html

Widerstand

Bereits 1976 engagierten sich einige von uns jahrelang in einem Bündnis von Bürgern/Innen mit zahlreichen Atomkraftgegnern/Innen gegen den Bau eines AKW auf der „Schengener Wiss“ bei Remerchen (Luxemburg). Der jahrelange Widerstand und eine damalige Gesetzeslücke verhalfen uns, dass der Bau nicht realisiert wurde. >Eine Gesetzeslücke besagte, dass wenn ein nicht zu bewegender oder schwerlich zu entfernender Gegenstand auf einem Bau-Gelände stehen würde, könne ein Bauvorhaben nicht realisiert werden<. Moselwinzer setzten ausrangierte Eisenbahnwaggons auf das Gelände der „Schengener Wiss“, die sodann von Aktivisten/Innen kreativ bemalt wurden und lange Zeit als Basislager dienten. Der jahrelange Widerstand sowie die Ausnutzung der Gesetzeslücke verhinderte 1979 den geplanten AKW Bau auf der „Schengener Wiss“. Die luxemburger Regierung stornierte schlussendlich den Bau.

Mitte der 70er wurden die Bauplanungen des AKWs Cattenom bekannt. Seit Beginn der Planungen zum Bau des AKW Cattenom bis Mitte der 1990er Jahre gab es im französischen, luxemburgischen, deutschen und insbesondere im saarländischen Umland gegen den geplanten Bau des AKW Cattenom Widerstand. Dem Widerstand wurden schier unüberwindbare Hindernisse durch die noch geschlossenen Grenzen zwischen Frankreich – Luxemburg und Deutschland gesetzt.

Anfang August 2009; Ute Schlumpberger gründete mit einigen Gleichgesinnten die Bürgerinitiative Cattenom Non Merci; wir setzen usn grenzübergreifend dafür ein, dass das AKW Cattenom aus sicherheitsrelevanten Gründen abgeschaltet wird sowie für die Schließung aller Atomanlagen auf EU Ebene. Wir engagieren uns mit dem Widerstandshaus in Bure „Bure Zone Libre“ gegen das frz. Endlagerprojekt Bure/Lothringen; wir engagieren uns für eine dezentrale ökologische Energiewende;

Wir agieren mit unzähligen AntiAtomInitiativen,- Vereinen und Umweltschutzinitiativen auf EU Ebene und organisieren und führen Anti AKW Protestaktionen aus und sind Mitglied in diversen AntiAtom & -Umweltschutzinitiativen.

Anfang 2011 Die Bi. Cattenom Non Merci ist Mitbegründer der internationalen Aktionsgemeinschaft gegen Cattenom (IAC), um mit verschiedenen AntiAtomInitiativen, Umweltschutzverbänden, Parteien & Privatpersonen verstärkt gegen das AKW Cattenom zu Agieren. Für den Tschernobyltag im April 2011 organisierten und führten wir vor dem AKW Cattenom auf dem Parkplatz des Mirgenbachsee eine Großdemo aus, an der über 5000 Menschen teilnahmen. Seit Sommer 1988 besteht der Verein MAUS in Trier (Messen für Aktiven Umweltschutz). Sie betreibt Luftmessstationen um das AKW Cattenom http://www.maus-trier.de/ In Trier ist das Antiatomnetz Trier aktiv http://antiatomnetz-trier.de/

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Katastrophenschutzpläne: Die Realität

Im Falle eines GAU im AKW Cattenom; Rette sich wer kann –  Katastrophenschutz, eine wahre Katastrophe und keineswegs realisierbar. https://www.youtube.com/watch?v=pgK4nz8E2eA

Luxemburg/Remerschen 17 Mai 2014: Notfallpläne für das französische Atomkraftwerk Cattenom sind existent, jedoch im Notfall völlig unzureichend. Das ist das Ergebnis des internationalen Aarhus Runder Tisch Cattenom der Arbeitsgruppe „Notfallvorsorge und Post-Notfall“ von Nuclear Transparency Watch, der am 17. Mai in Remerschen in Luxemburg stattfand. „Radioaktive Strahlung kennt keine Grenzen; weder vor Notfall – noch vor Evakuierungsplänen und selbst bei der besten Nachbesserung nicht. Im Falle eines GAUs; Rette sich wer kann. Der Katastrophenschutz ist mehr als eine wahre Katastrophe. Die endgültige Lösung aller Probleme ist; das AKW Cattenom sowie alle Atomkraftwerke auf EU & Nicht EU-Ebene sofort und unumkehrbar abzuschalten“, macht Ute Schlumpberger deutlich (Mitorganisatorin und Mitwirkende des Aarhus Runder Tisch Cattenom, Gründerin, Sprecherin der Bi Cattenom Non Merci. „Mit der Laufzeitverlängerung alternder Atomkraftwerke gehen wir in eine neue Ära des Risikos, mit Cattenom riskieren wir Europa“, sagte Roger Spautz von Greenpeace Luxemburg. Cattenom sollte sofort abgeschalten werden. Patrick Majerus, offizieller Katastrophenschützer von Luxemburg, berichtete über das große Problem verlorener Zeit durch Übersetzung und verschiedene Notfallpläne in den verschiedenen Ländern. Dieter Majer, der ehemalige technische Leiter der deutschen Reaktorsicherheit, kritisierte die Wasserkühlung in Cattenom und das Risiko von Erdbeben und Überschwemmungen.

Die dringendsten Forderungen des Runden Tisches Cattenom: Die nicht öffentlichen Teile der Notfallpläne müssen sofort veröffentlicht werden. Es braucht Runde Tische nach der UN Aarhus-Konvention, um die öffentliche Debatte zu beginnen. Inklusion muss in die Notfallpläne einbezogen werden. Englisch muss eine gemeinsame Sprache für die Katastrophenschützer werden. Evakuierungszonen und mögliche betroffene Regionen müssen mit Quellterm – Karten festgestellt werden. Jod – Tabletten müssen in allen Haushalten vorrätig sein. Katastrophenschutz und Krankenhäuser müssen auch im Mittel-und Fernbereich vorbereitet sein. Das Strahlungsniveau für Evakuierung und Langzeit- Rückübersiedlung muss von 100 Millisievert pro Jahr drastisch auf den Normalwert von 1 Millisievert pro Jahr reduziert werden. Wenn das nicht gewährleistet werden kann, so muss sofort abgeschalten werden. Die europäischen Lebensmittelgrenzwerte für Radioaktivität müssen von 600 Bq / Cäsium auf 100 Bq / Cäsium gesenkt werden, das ist der in Japan geltende Grenzwert und war auch der Grenzwert in Europa vor Tschernobyl. Für Kinder muss dieser Wert niedriger sein. Grenzüberschreitende Haftpflicht und volle finanziellen Kompensation für die betroffene Öffentlichkeit ist allein aus ethischen Gründen ein Muss. Die Kosten für die nukleare Notfallvorsorge müssen von den Betreibern getragen werden.

Mangelnde Sicherheitskultur ist ein Risiko und kein Kraftwerk der Welt wird einen Terroranschlag mit einem Airbus A 380 oder mit einer russischen Bunker brechenden Waffe AT 14 widerstehen. Das französische Institut für Strahlenschutz IRSN stellte bereits 2012 fest, dass Cattenom das Atomkraftwerk mit einer der dichtesten Bevölkerung in Frankreich und in Europa ist, eine Evakuierung somit extrem erschwert ist, da vor allem drei Länder direkt von einem Unfall betroffen werden. Innerhalb von 5 km Umkreis leben 75.000 Personen und innerhalb von 30 km 353.000 Personen“. Was, wenn 353.000 Menschen auf der Flucht sind und der akute Notfall Monate und Jahre dauert? Die Schlussfolgerung einer Studie des deutschen Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS):  Ein schwerwiegender atomarer Unfall kann weitaus größere Auswirkungen haben als bisher offiziell angenommen. Der Katastrophenschutz ist darauf in keiner Weise vorbereitet. https://c0.pubmine.com/sf/0.0.3/html/safeframe.htmlReport this ad

NTW verfolgt die in Europa stattfindenden Runden Tische Cattenom, Temelin in der Tschechischen Republik am 27. September 2014, in Bulgarien, Slowenien, Frankreich, der Ukraine, Polen und einen weiteren im Herbst in Frankreich. NTW wird die Ergebnisse dieser Runden Tische in einem Bericht an die Europäische Kommission und die Regierungen der EU-Mitgliedstaaten am Ende des Jahres 2014 zur Verfügung stellen. Der nächste Runde Tisch Cattenom von NTW findet im Jahre 2015 statt www.nuclear-transparency-watch.eu/activities/aarhus-round-table-cattenom.html

out-of-age.eu/wp-content/uploads/2014/02/Lifetime-extension-of-ageing-nuclear-power-plants-Entering-a-new-era-of-risk2.pdf

> La population autour des sites nucléaires Français: un paramètre déterminant pour la gestion de crise et l’analyse économique des  accidents Nucléaires. A. Pascal; IRSN, 2012  https://www.radioprotection.org/articles/radiopro/pdf/2012/01/radiopro110041.pdf

> Aarhus Convention – Protecting your environment: The power is in your hands http://www.unece.org/env/pp/publications/the_power_is_in_your_hands.html

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Wenn’s in Cattenom mal richtig ernst wird

Zusammenfassung zum Bericht vom 27.08.2013 – SWR Rheinland-Pfalz – Natürlich

Quelle: https://www.ardmediathek.de/ndr/video/natuerlich/wenn-s-in-cattenom-mal-richtig-ernst-wird/swr-rheinland-pfalz/Y3JpZDovL3N3ci5kZS8xMTk1NTQ1MA/

Das einzige Kernkraftwerk in Rheinland-Pfalz ist längst abgeschaltet und wird abgebaut, aber das Land ist umringt von Atommeilern. Am meisten Probleme bereitet das Kernkraftwerk im französischen Cattenom – das größte Atomkraftwerk Westeuropas.

Mehr als 800 teils schwere Störungen sind in der Anlage schon aufgetreten und machen den Anwohnern ringsum Sorgen. Die Katastrophenschützer in Frankreich, Belgien, Luxemburg und Rheinland-Pfalz üben daher gemeinsam für den Ernstfall.

Der deutsche Atomausstieg prallt wirkungslos an der Betonfestung der Atommeiler Cattenom ab. Cattenom, das größte AKW Westeuropas. Unter Vollast produziert der EDF Riese fast 10% des in Frankreich erzeugten Stroms.
Seit der Atomkatastrophe in Fukushima lässt der Atomriese Cattenom viele Menschen in der Saar-Lor-Lux Region nicht mehr ruhig schlafen.
Eine Rheinland-Pfälzische Landtagsabgeordnete (a.D.) Stephanie Nainger gibt im Interview zu, dass nach einem atomaren Unfall diese Region unbewohnbar werden würde. Hier spielt Windrichtung, Windgeschwindigkeit, Menge des Austritts von Radioaktivität eine Rolle. In einem Fall wie bei Fukushima wäre Trier verloren; die ganze Region wäre verloren-unbewohnbar. Luxemburg, Frankreich und in dieser Großregion wohnen ca. 11 Millionen Menschen.
Die Gefahr einer radioaktiven Verseuchung wollten sich viele Menschen in Trier nicht einmal vorstellen. Heute ist das anders. Auch ein örtlicher CDU Bundestagsabgeordneter schickt Bittbriefe nach Frankreich. Bernhard Kaster sagt, dass man sich in der Region politisch eigentlich einig ist, vor allem die Bürgerinnen und Bürger. Das höre ich in so vielen Gesprächen. Man wünscht das Abschalten dieses AKWs“.

Seit dem Abschlussbericht zum europäischen Stresstest von dem Atomexperten wie Dieter Majer, dass Cattenom sofort vom Netz genommen wird. Das Kraftwerk weise wichtige Mängel bei der Notkühlung der Reaktorkerne auf. Als Gefahrenquelle gilt neben einem Moselhochwasser, der für die Notkühlung zuständige Mirgenbachsee.
Dieter Majer; noch größer ist das Problem für den Fall, dass es durch ein Erdbeben oder durch normale Erosion zum Bruch dieses Staudammes kommt und sich dieser Mirgenbachsee auf die gesamte Anlage ergießt und damit die elektrotechnische Einrichtung außer Kraft setzt. Es gibt keine Möglichkeit mehr die Anlage zu steuern. Das heißt, wir stehen im Prinzip dann vor der gleichen Situation wie in Japan.

Über 800 teils schwere Störungen, wie z. B. das Feuer vom 7. Juni 2013, dass durch einen Transformator im nicht-nuklearen Bereich ausbrach und der Ausgang des Stresstestes waren Anlass für die erste gemeinsame Großübung bei der Katastrophenschützer in Frankreich, Belgien, Luxemburg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland vom Austritt einer radioaktiven Wolke ausgingen.
Angenommen wurde ein Atomunfall bei dem Notmaßnahmen für eine 100km Zone rund um das Kraftwerk eingeleitet werden mussten. Etwa die Evakuierung 10000ender Bürger und das bei einem Ernstfall inmitten einer Panikartigen Situation.
Dieter Majer; „das evakuieren von 10000enden oder 100000enden von Menschen ist natürlich eine ganz ganz große Herausforderung. Man weiß, bei einer solchen Evakuierungsmaßnahme da hat man mit einigen 10 bis 100 Toten zu rechnen – einfach nur ganz konventionelle Verkehrsunfälle und solche Dinge und man versucht durch Katastrophenschutzübungen hier ein gewisses Optimum für einen solchen Fall zu üben.
Die Großübung hatte drei Teile. Sie begann Ende Juni 2012 und wurde im Dezember fortgesetzt. Im Fokus standen länderübergreifende Alarmketten. Im Juni diesen Jahres (2013) ging es dann konkret um den Strahlenschutz in der Region sowie die Bekämpfung der radioaktiven Verseuchung. Dabei wurde klar, wie schwer es ist, Maßnahmen im Ernstfall zu koordinieren.
Die Rheinland-Pfälzische Landtagsabgeordnete (a.D.), Stephanie Nabinger; Beim ersten Teil der Übung wo keine Dolmetscher anwesend waren, hatte man die Einheiten in die 180 Grad verkehrte Richtung geschickt, weil die Himmelsrichtungen vertauscht wurden oder nicht richtig verstanden wurden.

Dennoch die die Rot-Grüne Landesregierung in Rheinland-Pfalz ist die Teilnahme der Franzosen an der Übung ein erster Schritt nach vorne. Immerhin beteiligte sich auch die franz. Atomaufsicht (ASN). Im Bericht wird auf eine der seltenen Pressekonferenz zu Cattenom hingewiesen.

Heike Raab, SPD Innenstaatssekretärin Rheinland-Pfalz: es wird dort auch als Eingriff in die Souveränität begriffen, wenn Rheinland-Pfalz, Saarland, Deutschland eben dort anmerken, dass wir für die Abschaltung von Cattenom eintreten.

Daran haben auch die unzähligen Unterschriftlisten aus dem Saarland, Rheinland-Pfalz und Luxemburg wenig geändert. Auch Demonstrationen deutscher Cattenomgegner in der Innenstadt von Metz scheinen an den Franzosen abzuprallen, die ohnehin der Meinung sind, dass die Übung (Großübung der Katastrophenschützer) ein großer Erfolg war.

Dennoch kann man die Ängste seiner Nachbarn nicht auf Dauer übergehen

Reporterin: Einer, der Cattenom von seiner Grundsteinlegung bis heute sehr genau und vor alle sehr kritisch betrachtet, ist Roger Spautz, Gründer von Greenpeace Luxemburg.

Reporterin: Sind Sie überrascht von der positiven Berichterstattung über die Katastrophenschutzübung?
Roger Spautz; Nein, überrascht nicht. Die Behörden können ja in Frankreich, Deutschland, Luxemburg nicht sagen, dass es nicht klappen würde, sonst würd ja die Bevölkerung noch ängstlicher werden gegenüber Cattenom. Wenn man aber ein bisschen nachfragt oder interne Informationen herausbekommt, dann sieht man das trotzdem nicht alles im grünen Bereich ist. Da gibt es zum Beispiel auch Kommunikationsprobleme, dass verschiedene Ansagen die französischen Behörden gemacht werden, das die dann auf Deutsch übersetzt werden müssen, was dann aber nicht immer komplett ankommt oder nicht richtig verstanden wird. Da gibt es schon einige Probleme und natürlich diese Katastrophenschutzübungen finden größtenteils auch auf dem Papier statt. Das heißt, wenn mal wirklich ein Notfall wäre und die Realität würde dann sicherlich anders aussehen. Man kann sich ja vorstellen, wenn man in Luxemburg die halbe Bevölkerung, sprich 250000 Leute evakuieren müsste, bräuchte man 2500 Busse. Soviel Busse gibt es nicht in Luxemburg und die Situation ist hier vorne in Frankreich und auch Saarland, Rheinland-Pfalz nicht anders.

Reporterin: Sie sind ja sehr gut vernetzt zu den Ministerien und daher haben Sie auch Ihre Informationen. Für wie realistisch wird denn diese Übung gehalten?
Roger Spautz; also wenn man insgesamt ein bisschen die Analyse macht, wie das in der Europäischen Union aussieht, dann sind die Katastrophenschutzpläne ganz verschieden; in verschiedenen Ländern soll im 5km Radius, in anderen Ländern im Radius von 10km evakuiert werden. Die Realität, auch in Fukushima hat gezeigt, dass in Realität sich die Radioaktivität nicht gleichmäßig veteilt. Das heißt, dass kann sein, dass vorgesehen ist, hier im Kreis von 5km zu evakuieren, dass aber größere Radioaktivität in 20, 30, 50 km niedergeht.

Reporterin: Jetzt haben wir gerade vor kurzem wieder erlebt, mit der Öffentlichkeitsarbeit steht es hier nicht so zum besten, dass vor einigen Wochen 60000 Liter Salzsäure ausgelaufen ist und das hat man erst vor ein paar Tagen erfahren. Ist das dass Konzept hier in Cattenom?
Roger Spautz; das hatte sich vor ein paar Jahren verbessert. Vor 20 oder 15 Jahren hat man nie Informationen bekommen, aber in den letzten Jahren ist es wieder schlechter geworden, dass die Informationen nicht direkt der Öffentlichkeit zugestellt werden. Es ist vielleicht auch bedingt dadurch das es auch in Cattenom häufiger Pannen gegeben hat und das einfach verschiedene Sachen unter Verschluss behalten wurden.

Reporterin: haben Sie denn den Eindruck, dass sich die Begeisterung für Atomkraft in Frankreich ein bisschen gelegt hat?
Roger Spautz; ich glaube schon, dass das der Fall ist; nach Fukushima gab es ja auch Aussagen von den Atomaufsichtsbehörden, das z.B. ein größerer Unfall in Frankreich nicht auszuschließen ist. Das ist eine Aussage, die wäre vor 10/20 Jahren nicht möglich gewesen.

Reporterin: wie sieht es aus mit Stilllegungen? Wie realistisch ist sowas?
Roger Spautz; im Rahmen der Energiewende in Frankreich hat Präsident Holland angekündigt, dass der Anteil der Atomenergie von 75 auf 50% runter drehen wollen. Das heißt, es müssen 5 Zentralen geschlossen werden und es gilt auch Druck von Luxemburg und Deutschland aufzubauen, dass Cattenom bei diesen Zentralen ist.

Ein Stopp des AKW Cattenom ist notwendig und machbar

23.04.2021

Studie 15. April 2021: Auswirkungen einer Abschaltung des Kernkraftwerks Cattenom auf die Versorgungssicherheit in der Region

Quelle: https://gouvernement.lu/de/actualites/toutes_actualites/communiques/2021/04-avril/23-stopp-akw-cattenom.html

Weitere kritische Betrachtungen: https://www.mitwelt.org/atomkraftwerk-kernkraftwerk-cattenom.html